


Von KD Dr. med. Janis Brakowski (MD, stellv. Leiter, Zentrum für Akutpsychiatrie, Universitätsklinik Zürich, derzeit Forschungssabbatical), Dr. Anna Erat (MD, PhD, IDP INSEAD, Healthcare-Expertin, Fakultät Universität St. Gallen, Speakerin, unabhängiges Verwaltungsratsmitglied, Mentorin ETH) und Jan Gerber MSc (Gründer & CEO von Paracelsus Recovery)
Ein beunruhigendes Muster
In Paracelsus Recovery, einer Klinik, die sich der mentalen Gesundheit Ultra-Vermögender widmet, erkennen wir seit geraumer Zeit ein alarmierendes Phänomen. Es geht nicht allein um Sucht oder Depression – auch wenn sie häufig eine Rolle spielen –, sondern um das verheerende psychologische Echo mangelnder Nachfolgeplanung. Fehlende Regelungen haben Familien zerrissen, Identitäten aufgelöst und Erb:innen ins Chaos gestürzt. Dabei handelt es sich nicht um Steuertricks oder Asset-Allokation, sondern um den menschlichen Preis, wenn Vermögen ohne Wegweiser weitergegeben wird. Unsere Erfahrung zeigt: Fehlt eine durchdachte Vorbereitung, steht nicht nur das Vermögen auf dem Spiel – sondern Menschenleben.
Warum sollte Sie das interessieren? Dies ist keine Theorie, sondern die ungefilterte Realität der Familien, die wir behandelt haben: Geschichten von Zwietracht, Zusammenbruch und – manchmal – Erlösung. Im UHNW-Kontext ist Nachfolgeplanung kein finanzielles Randthema, sondern ein Gebot für mentale und körperliche Gesundheit und eine Investition in Langlebigkeit.
Stellen Sie sich vor, Sie erben ein Milliardenimperium, wissen aber weder weshalb es existiert noch was von Ihnen erwartet wird. Für viele Erb:innen, die wir betreuen, ist das Alltag. Ungeplante Vermögen werden zu Mühlsteinen:
Diese Fälle sind keine Ausnahmen – sie folgen einem Muster: Reichtum ohne Kontext entfesselt Chaos.
Der Anker Zweck
Im Trümmerfeld zeigt sich ein Rettungsring:
Purpose. Familien, die klar benennen, wofür ihr Vermögen steht – Bildung, Gemeinwohl, Innovation –, schneiden besser ab. Eine vormals zerstrittene Dynastie im Nahen Osten fand Einheit, nachdem sie eine Mission zur Förderung ihrer Region formulierte.
Die Ergebnisse:
Purpose funktioniert wie ein Anker – er schenkt Stabilität, Orientierung und stärkt das Wohlbefinden.“
Dr. Anna Erat
Das Chaos unvorbereiteter Erben:
Einem unerfahrenen Soldaten einen Panzer zu überlassen, endet in einer Katastrophe; einem unvorbereiteten Erb:innen ein Vermögen zu geben, ist ähnlich riskant. Unser Ansatz:
Die zerstörerische Stille
Schweigen ist ein Abrisshammer. Nicht ausgesprochene Pläne säen Misstrauen und treiben Familien vor Gericht. Ambiguität nährt Angst [9] und treibt manche in Drogen, Isolation oder Schlimmeres [10].
„Eine Familie, die offene Kommunikationskanäle pflegt, legt das Fundament für generationenübergreifenden Erfolg.“
KD Dr. med. Janis Brakowski
Authentische Familiengeschichten können heilen. Offene Berichte über die Ursprünge des Vermögens, inklusive persönlicher Opfer, schenken Empathie, liefern Resilienz-Blaupausen und verankern die nächste Generation.
Philanthropie wirkt wie Therapie. Klient:innen, die Mental-Health-Projekte finanzieren, erleben oft, dass ihre eigene Last leichter wird. Forschung von 2021 verknüpft Zweckorientierung mit besseren Gesundheitswerten und weniger Depression [11].
Vertrauensstrukturen, Familienräte und klare Rollen sind keine Bürokratie, sondern Rettungsleine. Sie bieten Flexibilität, Klarheit und rechtlichen Schutz – und bewahren so Verstand wie Vermögen.
Mentale Gesundheit ist nicht Nebenprodukt, sondern Ziel effektiver Nachfolgeplanung. Familien, die vorausschauend handeln, erleben weniger Angst, stärkere Erb:innen und längere Leben [10]. Fehlt die Planung, drohen Entfremdung, Sucht und Verzweiflung.
Dies ist ein Bericht von der Frontlinie unserer Arbeit. Für UHNWIs lautet die Wahl: Planen Sie mit Sinn – oder riskieren Sie mehr als Ihr Vermögen. Eine wohlüberlegte Nachfolge kann ein Geschenk sein, statt einer tickenden Zeitbombe.
Literaturverzeichnis
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